Tinnitus: Ich höre was, was du nicht hörst

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Ob als ständiges Pfeifen oder Summen – so gut wie alle haben schon einmal gelegentliche Ohrgeräusche erlebt, zum Beispiel nach einem lauten Konzert. Der medizinische Fachausdruck für ein solches Ohrgeräusch lautet Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Lateinischen und bedeutet „Klingeln“. Bei manchen Menschen dauert es nur ein paar Minuten, während andere Betroffene über längere Zeiträume mit dieser Erkrankung zu kämpfen haben. apropos erklärt, welche Ursachen Tinnitus haben kann und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Tinnitus bezeichnet ganz allgemein Ohrgeräusche, welche die Betroffenen entweder dauerhaft oder wiederholt über einen längeren Zeitraum wahrnehmen, ohne dass eine externe Schallquelle vorhanden ist. Man unterscheidet dabei objektiven Tinnitus, der auch durch den Untersucher nachgewiesen werden kann, sowie subjektiven Tinnitus, der nur auf den Angaben der Betroffenen beruht. Diese Geräusche können gelegentlich nur in einem Ohr auftreten, manchmal aber auch in beiden. Tinnitus ist eine weit verbreitete Erkrankung: Etwa 5 bis 15 % der Erwachsenen erleben im Laufe ihres Lebens einen Tinnitus, der über längere Zeit anhält. Von einem akuten Tinnitus ist die Rede, wenn die Ohrgeräusche weniger als drei Monate anhalten. Dauern die Beschwerden jedoch länger als drei Monate, sprechen Medizinerinnen und Mediziner von einem chronischen Tinnitus.

Ursachen und Folgen

Es gibt viele verschiedene Ursachen für diese Krankheit. Ein subjektives Ohrensausen tritt häufig parallel zu Hörverlust auf. Dr. med. Justus Ilgner, Leitender Oberarzt der Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde und Kopf-Hals-Chirurgie an der Uniklinik RWTH Aachen, erklärt:

„Eine Schädigung des Hörnervs oder der Hörsinneszellen bewirkt, dass die Betroffenen bestimmte Frequenzen nicht mehr wahrnehmen können. Da dem Gehirn diese Frequenzen für eine vollständige Hörwahrnehmung fehlen, versucht es, diese Wahrnehmung zu rekonstruieren.“

Lärmbelastung gehört zu den häufigsten Auslösern eines Hörverlustes und damit auch von Tinnitus. Besonders betroffen sind Menschen, die regelmäßig Lärm ausgesetzt sind. Manchmal tritt Tinnitus auch ohne erkennbaren Grund auf – in solchen Fällen dauert er in der Regel nicht länger als eine Minute und ist in der Regel harmlos.

Personen mit leichten bis mittelschweren Beschwerden können ihren Alltag meist gut bewältigen. „Dauerhafte Ohrgeräusche gehen jedoch häufig mit zahlreichen gesundheitlichen Problemen einher, wie zum Beispiel Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen, Verspannungen in Hals- und Kiefermuskulatur, Schwindel, Angstzuständen sowie Depressionen“, führt Dr. Ilgner aus.

Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Die Betroffenen sollten einen HNO-Arzt oder eine HNO-Ärztin aufsuchen, wenn die Symptome über einen längeren Zeitraum belastend sind. Im Anamnesegespräch erkundigen sich der Arzt oder die Ärztin nach den Symptomen, deren Auftreten und Häufigkeit sowie nach möglichen auslösenden Faktoren (z. B. Lärmexposition, Stress oder bereits bestehende Erkrankungen wie Hörverlust). Zusätzlich erfolgen eine gründliche Untersuchung der Ohren sowie verschiedene Hörtests, um festzustellen, ob ein Hörverlust vorliegt, der möglicherweise mit dem Tinnitus zusammenhängt. Dabei werden Töne in unterschiedlichen Tonhöhen abgespielt, um das Hörvermögen zu testen.

In vielen Fällen verschwindet ein akuter Tinnitus von alleine oder lässt sich durch eine frühzeitige Behandlung der zugrunde liegenden Ursachen lindern. Für den chronischen Tinnitus gibt es zwar zahlreiche Therapieansätze, doch leider kann keine dieser Behandlungen den Tinnitus nachweislich heilen. Dr. Ilgner macht Hoffnung:

„Eine kognitive Verhaltenstherapie kann helfen, die Fokussierung der Aufmerksamkeit auf die Ohrgeräusche zu verringern und die Beschwerden der Betroffenen zu lindern. Zusätzlich können Tinnitus-Hörgeräte die auditive Wahrnehmung des Gehirns umlenken, wodurch das Ohrgeräusch weniger präsent wird. Im Fall eines Hörverlustes kann man mit einem Hörgerät zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Das Hörvermögen wird verbessert und der Tinnitus gemindert, da das Gehirn durch das verbesserte Hörvermögen wieder ‚beschäftigt‘ wird.“

Tinnitus vorbeugen

Es ist wichtig, die Lärmbelastung sowohl am Arbeitsplatz als auch in der Freizeit so gut wie möglich zu minimieren. Anhaltender Lärm über 85 Dezibel kann das Gehör schädigen. In lauten Umgebungen sollten Sie daher präventiv Gehörschutz (z. B. Ohrstöpsel oder spezielle Kopfhörer) tragen. Lassen Sie Ihr Gehör regelmäßig von einem HNO-Arzt überprüfen, insbesondere wenn Sie in geräuschintensiven Bereichen arbeiten oder häufig Lärm ausgesetzt sind. Zudem ist es ratsam, auf übermäßigen Alkoholkonsum und Nikotin zu verzichten, da diese die Entstehung oder Verstärkung von Tinnitus begünstigen können. Mäßige körperliche Aktivität regt die Durchblutung an und trägt zur Förderung der Gesundheit des Innenohrs bei.

Die Deutsche Tinnitus-Liga e. V. (DTL) unterstützt als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation Menschen mit Tinnitus und anderen Hörproblemen. Auf der Website finden Sie zahlreiche Informationen:
https://www.tinnitus-liga.de/

 

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