Fasten gilt als beliebter Neustart für Körper und Geist. Von religiösen bis zu gesundheitlichen Beweggründen verspricht der bewusste Verzicht auf Nahrung neue Energie und Linderung für entzündliche Krankheiten. apropos zeigt, was wissenschaftlich belegt ist und wo Mythen liegen.
Aschermittwoch, Ramadan oder der Wunsch nach einem Neustart: Für einen bestimmten Zeitraum verzichten viele Menschen beim Fasten auf Nahrung oder bestimmte Lebensmittel. Dieses einfache Prinzip findet sich in verschiedenen Formen der Umsetzung wieder, wie etwa dem Intervallfasten oder dem Heilfasten nach Otto Buchinger. Aufgrund der einfachen Umsetzung im Alltag ist vor allem das Intervallfasten besonders weit verbreitet. Dabei wechseln sich Essens- und Fastenzeiten innerhalb eines Tages oder einer Woche ab. Beim Heilfasten wird hingegen für ein bis zwei Wochen komplett auf feste Nahrung verzichtet; erlaubt sind Wasser, ungesüßte Tees oder Gemüsebrühe.
Mythos-Detox
Im Zusammenhang mit Fasten liest man häufig von Entschlackung. Vor allem auf Social-Media sprechen Influencerinnen und Influencer von Giftstoffen, die sie mittels Fasten aus ihrem Organismus ausleiten würden. Diese sogenannten „Schlacken“ sind allerdings nur ein Mythos: „Der Körper verfügt mit Leber, Nieren und Darm bereits über effektive Entgiftungssysteme. Was beim Fasten tatsächlich angeregt wird, sind die Zellreinigungsprozesse, wodurch sich diese natürliche Reinigung beschleunigt“, erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Thorsten Cramer, Leiter des Lehr- und Forschungsgebietes Molekulare Tumorbiologie an der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Kinder- und Transplantationschirurgie. „Von Detox hört man aktuell vor allem in Zusammenhang mit Saftkuren, welche im Grunde genommen nur eine weitere Form des Fastens sind.“
Forschung
Die Fastenforschung gibt Hinweise darauf, dass Fasten entzündliche Krankheiten beeinflussen kann. So entstand das Heilfasten nach Buchinger aus der Motivation heraus, das Rheuma des Namensgebers zu lindern. Einzelne Studien deuten auf reduzierte Entzündungsmarker bei entzündlichen Krankheiten hin und auch in der Krebsforschung gibt es Hinweise darauf, dass etwa Fatigue-Symptome nach Chemotherapien durch Fasten vermindert sind. „Forschungsergebnisse zeigen ein verringertes Tumorwachstum während des Fastens. Viele dieser Erkenntnisse stammen jedoch noch aus Tiermodellen können noch nicht vollständig auf den Menschen übertragen werden“, so Prof. Cramer. Auch Menschen mit Erkrankungen des Stoffwechsels (zum Beispiel Zuckerkrankheit, Fettlebererkrankung) und mit Bluthochdruck können unter Umständen von regelmäßigen Fastenperioden profitieren. Patienten mit diesen Krankheiten sollten allerdings ausschließlich unter ärztlicher Anleitung fasten, denn hier muss im Verlauf möglicherweise die Dosis der eingenommenen Medikamente angepasst werden. Am Ende ist Fasten weder ein Wundermittel beim Abnehmen noch ein gefährlicher Trend. Sofern Motivation und Rahmen stimmen, kann es ein bewusster Impuls sein, Routinen zu hinterfragen und bei entzündlichen und metabolischen Krankheiten helfen. Fasten Sie in jedem Fall nur so, wie Sie sich damit körperlich und mental wohl fühlen.
Tipps rund um das Fasten
- Fasten ist keine Crash-Diät, Gewichtsschwankungen sind normal
- Langsam ins Fasten einsteigen und ebenso langsam wieder beenden
- Zu Beginn können Schwindel und Kopfschmerzen auftreten, die sich durch salzhaltige Getränke (idealerweise Gemüsebrühe) bessern lassen
- Bei körperlicher Schwäche oder starken Stimmungsschwankungen abbrechen
- Nicht ohne ärztliche Begleitung bei Diabetes, Essstörungen und chronischen Erkrankungen
- Bei Schwangerschaft oder Untergewicht nicht fasten
Buchtipp
Prof. Cramer empfiehlt allen, die mehr zum Thema wissen möchten, folgende Bücher:
Lützner, Hellmut: Wie neugeboren durch Fasten. München: Graefe und Unzer Verlag, Jahr. ISBN 9783833873560
→ Ein sehr guter und kompakter Ratgeber zum Einstieg
Jason Fung und Jimmy Moore: Fasten – Das große Handbuch: Heilen Sie Ihren Körper mit kurzem, langem und intermittierendem Fasten. Riva, 2017. ISBN 978-3742303578
→ Ein ausführlicheres Buch mit vielen Informationen zur Wirksamkeit des Fastens bei chronischen Krankheiten









