Wie Lebensstil und Fruchtbarkeit zusammenhängen

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Paare, die sich sehnlichst Nachwuchs wünschen, kennen diese eine, alles entscheidende Frage: Wird es diesmal klappen mit der Schwangerschaft? Je länger sie es vergeblich versuchen, desto größer wird die seelische Belastung. Und erst dann stellen sie fest, wie es eigentlich um die eigene Fruchtbarkeit bestellt ist. Die gute Nachricht: Wer auf einen gesunden Lebensstil achtet, kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vermeiden, dass die eigene Fruchtbarkeit Schaden nimmt. Doch nicht immer reicht das.

Ein Kind zeugen, schwanger werden: Was auf den ersten Blick einfach und natürlich erscheint, mitunter sogar unabsichtlich geschieht, kann durch viele Faktoren erschwert werden. Damit die eigene Fruchtbarkeit möglichst lange und umfassend erhalten bleibt, lohnt es sich, bereits in jungen Jahren vermeidbare Risiken fest im Blick zu behalten. Was sind das für gesundheitliche Stellschrauben, an denen Mann und Frau drehen können? Univ.-Prof. Dr. med. Elmar Stickeler, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin an der Uniklinik RWTH Aachen, erklärt: „Dazu zählen zum Beispiel Umwelt- und Genussgifte sowie verschiedene Allgemeinerkrankungen, die selbst oder deren medikamentöse Behandlung den Hormonhaushalt durcheinander bringen.“

VORSICHT BEI GLIMMSTÄNGEL UND ALKOHOL

Bei Genussgiften rät der Experte zu Umsicht und Abstinenz: „Rauchen vermindert nachweislich die Fruchtbarkeit von Frauen und Männern, verringert die Erfolgschancen von Fruchtbarkeitsbehandlungen und schadet bei Eintreten einer Schwangerschaft dem ungeborenen Kind.“ Bei Frauen wirkt sich Rauchen vor allem auf die Eizellqualität negativ aus. Raucherinnen neigen im Vergleich vermehrt zu Frühgeburten,
ihre Kinder haben ein höheres Risiko, unreif zur Welt zu kommen. Und Alkohol? „Nur gelegentlich ein Glas zu trinken, hat keine starken Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit. Größere Mengen des Zellgifts schädigen jedoch nachweislich die allgemeine Gesundheit und dementsprechend die weiblichen wie die männlichen Fortpflanzungsorgane“, führt Prof. Stickeler aus.

ALLGEMEINERKRANKUNGEN, ALTER UND GEWICHT

Auch Funktionsstörungen der Schilddrüse, von Niere oder Leber, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, eine Endometriose oder eine Krebserkrankung können die Fruchtbarkeit herabsetzen. Ärztinnen und Ärzte berücksichtigen bei einer medizinischen Behandlung dieser Erkrankungen daher üblicherweise, ob ein Kinderwunsch besteht, und passen, wenn möglich, die Therapie entsprechend an. „Vor allem Chemo- oder Strahlentherapien können zu einer dauerhaften Unfruchtbarkeit führen. Zum Schutz vor einer keimzellschädigenden Therapie ist es möglich, die Eierstöcke durch Hormongabe vorübergehend ruhigzustellen oder Gewebe aus Eierstöcken sowie Eizellen oder Spermien zu entnehmen – allerdings hängt von der Grunderkrankung und der geplanten Therapie auch ab, welche fruchtbarkeitserhaltenden Maßnahmen ergriffen werden können“, berichtet der Gynäkologe. Ein weiterer wichtiger Faktor bei der Fertilität spielt das Körpergewicht: Stark übergewichtige Frauen haben häufig Zyklusstörungen aufgrund ausbleibender oder zu seltener Eisprünge. Bei übergewichtigen Männern weisen Studien auf das erhöhte Risiko einer gestörten Hodenfunktion und verminderte Spermienproduktion hin. Bei untergewichtigen Frauen kommt es ebenfalls vor, dass sie keinen Eisprung haben und die Monatsblutungen ganz ausbleiben. Vergleichbares gilt für untergewichtige Männer, deren Hodenfunktion eingeschränkt sein kann. In der Regel sind diese Effekte umkehrbar; wer es schafft, ab- oder zuzunehmen, normalisiert meist auch den Hormonhaushalt wieder. Anders ist das beim Faktor Alter – das lässt sich bei einem vergleichsweise spät einsetzenden Kinderwunsch nicht mehr zurückdrehen. Hier gilt: Je höher das Alter, desto schwieriger wird es, schwanger zu werden. „Das sollte man bei der Familienplanung also immer im Hinterkopf behalten“, empfiehlt Prof. Stickeler.

KINDERKRANKHEITEN UND IHRE FOLGEN

In manchen Fällen sind bei vorliegender Unfruchtbarkeit sogar Kinderkrankheiten die Übeltäter: Die Viruserkrankung Mumps hat als mögliche Komplikationen die Hirnhautentzündung und die Schädigung des Hörnervs mit ein- oder beidseitiger Ertaubung. Allerdings kann das Mumpsvirus bei Jungen auch zur Hodenentzündung und damit verbundenem Risiko der Unfruchtbarkeit kommen, bei Mädchen zur Eierstockentzündung. Die einzig wirksame Vorbeugung ist in diesem Fall die Schutzimpfung mit zwei Einheiten im Abstand von drei Monaten.

ES GIBT KEINE GARANTIE

Auch wenn die Lebensumstände sehr wichtig sind, garantieren sie keinen Nachwuchs, wie Prof. Stickeler weiß: „Ob und in welchem Maß äußere Faktoren die Fruchtbarkeit einer Frau oder eines Mannes mindern, lässt sich nicht immer mit Sicherheit klären. Zumal manche Menschen sehr ungesund leben und trotzdem fruchtbar sind, während andere auf ihre Gesundheit achten und dennoch mit einer Einschränkung ihrer Fruchtbarkeit konfrontiert werden. Oft ist die Summe verschiedener Faktoren für Fruchtbarkeitsstörungen ausschlaggebend. Was für die Paare gilt, ist für den Körper nicht weniger falsch: Am Ende ist jedes Kind immer auch ein Produkt der jeweils aktuell geltenden glücklichen Umstände.“

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