Wählerisch beim Essen: Wann Eltern gelassen bleiben können

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In manchen Familien kommt es bei den Mahlzeiten schnell zum Konflikt: Das Kind lehnt das angebotene Gericht ab oder möchte nur bestimmte Lebensmittel zu sich nehmen. Die Eltern sind verunsichert und reagieren ratlos: „Du musst jetzt etwas essen! Sonst darfst du nicht spielen!“ Das Kleine beginnt zu weinen und verweigert weiterhin jede Nahrungsaufnahme. Was können Eltern tun?

Manche Kinder durchlaufen Phasen mit sehr unregelmäßigen Ernährungsgewohnheiten. Einige sind über längere Zeit sehr wählerisch und mögen beispielsweise wochenlang nur Nudeln mit Tomatensoße oder verlangen ausschließlich „rote“ oder „grüne“ Nahrung. Viele lehnen einzelne Mahlzeiten auch komplett ab. Halten solche Verhaltensweisen über einen längeren Zeitraum an, sorgen sich Eltern verständlicherweise, dass ihr Nachwuchs nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird.

Wann Eltern genauer hinschauen sollten

Während die meisten Kinder bis etwa zum zweiten Lebensjahr sehr offen für neue Geschmackserfahrungen sind, reagieren viele Zwei- bis Sechsjährige bei unbekannten Speisen mit deutlicher Ablehnung. Kinder mögen Kontinuität. Ungewohnte Geschmacksrichtungen oder Konsistenzen sind oft der Grund dafür, dass bestimmte Gerichte abgelehnt werden. Ein vorübergehend schwieriges Essmuster ist in diesem Alter normal und zunächst kein Anlass zur Sorge.

„Wenn Ihr Kind dauerhaft die Nahrungsaufnahme verweigert oder die bisher akzeptierten Nahrungsmittel immer mehr einschränkt, könnte dies ein erstes Anzeichen für eine Essstörung sein. Vorübergehende Vorlieben für oder Ablehnung bestimmter Nahrungsmittel sind im Kleinkindalter normal. Bei dauerhaftem Ekel oder Ängsten bezüglich der Textur oder dem Aussehen der Nahrungsmittel insbesondere mit einer Gewichtsstagnation oder -abnahme sollten man aufmerksam werden“, erklärt Dr. med. Anke Nießen, Oberärztin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Uniklinik RWTH Aachen.

Normale Phase oder Warnsignal?

Für Eltern ist es oft schwierig, die Ernährungsgewohnheiten ihrer Kleinen einzuordnen. Phasenweise zeigen viele Kinder aus Sicht ihrer Eltern ungewöhnliche Vorlieben oder kämpfen mit Appetitproblemen, sodass die Grenzen zu einer Essstörung relativ fließend sein können.

„Kommt es über längere Zeit zu einer deutlich zu niedrigen Energie- oder Nährstoffaufnahme, gegebenenfalls in Kombination mit einer merklichen Gewichtsabnahme oder Untergewicht, sollte zunächst eine kinderärztliche Abklärung erfolgen. Im Falle der obengenannten Symptome sollte anschließend auch eine kinderpsychiatrische Diagnostik angestrebt werden“, so Dr. Nießen.

Gesunde Kinder haben normalerweise ein natürliches Gefühl für Hunger, Sättigung und ihren Bedarf bei der Nahrungsaufnahme.

Tipps für die Entwicklung eines altersgerechten Essverhaltens

  • Versuchen Sie, eine ruhige und entspannte Essensatmosphäre im Familienkreis zu schaffen, ohne einen zu großen Fokus auf die Nahrungsaufnahme zu legen. Ermöglichen Sie altersgerechtes selbständiges Essen des Kindes (auch mit Fingern und Matschen!)
  • Achten Sie auf Ihr eigenes Essverhalten und kommunizieren Sie Ihre Freude am Essen mit dem Kind,
  • Kinder sollten niemals gedrängt werden. Ein Teufelskreis kann entstehen, wenn sie unter Druck gesetzt werden, etwas zu sich zu nehmen, obwohl kein Hunger besteht.
  • Die Vorlieben von Kindern sind oftmals wechselhaft. Daher sollten Sie verschiedene Speisen immer wieder anbieten. Was heute abgelehnt wird, kann einige Tage oder Wochen später plötzlich akzeptiert werden.

 

 

Hilfsangebot für Eltern und Kinder

Die Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Uniklinik RWTH Aachen bietet sowohl eine ambulante Diagnostik als auch eine teil- oder vollstationäre Eltern-Kind-Behandlung an. Eltern mit Kindern im Alter von 0 bis 8 Jahren mit einer manifesten Essstörung, können dort gemeinsam lernen, Ängste vor bestimmten Nahrungsmitteln zu verringern. Weitere Informationen finden Sie hier: Eltern-Kind-Station KJEK.

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