Lungensport: Stärken Sie Ihren Atem!

„Tee ist eine Antwort auf die meisten Probleme“, sagt ein altes Sprichwort. Auch deshalb beginnt Kathrin Thiele ihre Lungensportgruppe mit einer gemütlichen Teerunde: Das heiße Getränk löst den Schleim in Hals und Lunge und macht die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bereit für die anstehende Trainingseinheit. Bereits seit acht Jahren leitet sie die ambulanten Rehabilitationssportgruppen an der Uniklinik RWTH Aachen und weiß, dass die wöchentlichen Sporteinheiten mehr als nur körperliches Training für die Beteiligten sind. apropos hat mit der zertifizierten Übungsleiterin über das Kursangebot speziell für Lungenerkrankte gesprochen.

Lungenkrank und Sport – verträgt sich das? „Aber ja!“, sagt Kathrin Thiele. „Bewegung tut immer gut. Auch Personen mit angeborenen oder erworbenen Atemwegs- und Lungenerkrankungen können und sollten im Rahmen ihrer Möglichkeiten Sport treiben.“ Am besten eignen sich dazu sogenannte Lungensportgruppen, deren Programm speziell auf die Bedürfnisse und Ansprüche der Teilnehmenden ausgelegt ist.

Lungensport – was ist das?

Lungensport umfasst die gesamte Bewegungstherapie bei Menschen mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen – sowohl im ambulanten wie auch stationären Bereich. Er wird in ganz Deutschland von Reha-Einrichtungen oder Sportvereinen angeboten und von ausgebildeten Übungsleiterinnen und -leitern begleitet. Mit gezielten Übungen soll die Leistungsfähigkeit und Atemfunktion verbessert werden. Hierbei orientiert sich das Training stets an der individuellen Belastbarkeit und dem aktuellen Krankheitsstatus des jeweiligen Patienten und variiert in seiner Intensität und Dauer. „Üblicherweise erreicht die ungeübte Atembewegung nicht den gesamten Atemraum. Es bedarf einiger Übung, die Tiefe der verschiedenen Atemräume aufzuschließen. Dies hat letztendlich einen sehr belebenden Effekt“, macht Kathrin Thiele deutlich.

Voraussetzung für die Teilnahme an einer Lungensportgruppe ist eine Lungenerkrankung wie zum Beispiel ein Asthma bronchiale, eine chronisch-obstruktive Lungenkrankheit (COPD), aber auch eine lange Beatmung oder ein Morbus Bechterew. Durch die offizielle Verordnung, den Antrag auf Kostenübernahme für den Rehabilitationssport, durch den Haus- oder einen Facharzt werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen vollständig übernommen. Für den Lungensport sind das 120 Übungseinheiten, die innerhalb von drei Jahren durchgeführt werden können, ohne dass den Teilnehmenden weitere Kosten entstehen.

Bei den privaten Krankenkassen muss die Kostenübernahme für den Rehabilitationssport dann je nach Vertrag individuell mit der privaten Krankenkasse geklärt werden, häufig erfolgt eine Kostenübernahme auch durch die private Krankenkasse.

Was erwartet mich?

Keine Sorge – beim Lungensport geht es nicht um Leistungssport, und auch nicht darum, über seine Leistungsgrenze hinaus zu gehen. Gymnastische Übungen, leichtes Krafttraining sowie ein moderates Ausdauertraining sollen die Atmung stärken, den Brustkorb mobilisieren und die Grundkondition verbessern. „Erfahrungen zeigen, dass das Training eine deutliche Erleichterung im Alltag bewirkt. Besonders bei Aktivitäten wie Treppensteigen oder schnellem Gehen spüren Patientinnen und Patienten eine deutliche Verbesserung. Durch die Steigerung der Kraft und der Beweglichkeit des Brustkorbs fällt den Lungenerkrankten das Atmen und auch das Abhusten von Schleim leichter.“, so Kathrin Thiele. Zudem lernen die Teilnehmenden bestimmte Entspannungs- und Atemtechniken, die ihnen unter anderem bei Atemnot eine wertvolle Hilfe sein können.

Starkes Gemeinschaftsgefühl

Doch der Rehabilitationssport ist mehr als nur eine körperliche Trainingseinheit zur Verbesserung ihrer Fitness. Er bringt einem wieder die Selbstsicherheit zurück, sich mit dem eigenen Körper zurechtzufinden, stärkt das Selbstvertrauen und baut Ängste ab. Wichtig sind auch die sozialen Kontakte innerhalb der Gruppe. „Mit dem Atemsport möchten wir die Lebensqualität der Betroffenen erhöhen und möglichen krankheitsbedingten Einschränkungen entgegenwirken. Bei Bewegung, Spiel und Spaß unter Gleichgesinnten mit ähnlichen Ambitionen fällt der Einstieg häufig einfacher und es entsteht schnell eine starke und motivierende Gemeinschaft“, weiß die passionierte Übungsleiterin, die mit ihrer Arbeit eine große Verantwortung für die Gesundheit und das Wohl der Sportwilligen übernimmt.

Neue Gesichter sind herzlich willkommen

In Kooperation mit dem SportBildungswerk im Stadtsportbund Aachen e. V. bietet die Uniklinik RWTH Aachen Sportprogramme für Menschen mit unterschiedlichen Erkrankungen an. Neben dem Lungensport gibt es derzeit drei weitere Rehasportgruppen zu den Schwerpunkten „Übergewicht und Adipositas“, „Seele“ und „Herz“.

Solange Plätze frei sind, können Interessierte jederzeit einsteigen und in einer Gruppe mit bis zu 15 Personen an der eigenen Gesundheit arbeiten. „Wir freuen uns immer über neue Gesichter. Durch den Teamgeist erfolgt die Integration schnell und unkompliziert. Lungensport lohnt sich, denn die Lunge profitiert von regelmäßiger Bewegung. Wer am Ball bleibt, wird mit schnellen Fortschritten und einer verbesserten Grundfitness belohnt“, verspricht Kathrin Thiele.

Weitere Informationen finden Interessierte auf www.sportangebote-aachen.de.

Lungensportkurs an der Uniklinik RWTH Aachen

Auf einen Blick:

Inhalte des Trainings

  • Ausdauer, Koordination, Kraft und Trainieren der Beweglichkeit des Oberkörpers
  • Die unbewusste und bewusste Atemfunktion kennenlernen, sowie seinen eigenen Atem erfahren und wahrnehmen
  • Atemerleichternde Stellungen
  • Selbsthilfetechniken erlernen wie: Pressatmung vermeiden, Hustentechnik, Lippenbremse, Lagerungsdrainage – Sekretmobilisation
  • Vermittlung von Methoden zur Stressbewältigung
  • Entspannungstraining
  • Verhalten in und Umgang mit Atemnotsituationen
  • Antidepressive Wirkung von Bewegung erfahren, Wohlempfinden durch Sport
  • Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen entwickeln
  • Abwechslungsreiche Bewegungsübungen
  • Spiele in der Gruppe
  • Medizinische Vorträge
  • Kräftigungsgymnastik
  • Haltungsschulung
  • Körperwahrnehmung

Ziele des Trainings

  • Verbesserung von Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination und somit Verbesserung des eigenen Gesundheitszustandes
  • Verminderung der Atemnot und von akuter Verschlechterung, Stabilisierung der Erkrankung
  • Erhöhung der Leistungsfähigkeit
  • Verbesserung der Alltagsbewältigung
  • Stärkung des Vertrauens in die eigene Leistungsfähigkeit
  • Abbau von Ängsten vor Belastungen und Stärkung des Selbstbewusstseins
  • Verbesserung der Lebensqualität
  • Verringerung von erneuten Krankenhausaufenthalten
  • Achtsamkeit und Gefühl von Lebendigkeit

 

 

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