Mit rund 460.000 Erkrankungen im Jahr zählt die Herzinsuffizienz, auch Herzschwäche genannt, zu den häufigsten Erkrankungen unseres schlagenden Organs. Ihre Symptome werden häufig übersehen oder nicht ernst genommen, weshalb sie auch zu den zehn häufigsten Todesursachen zählt. Bei der Behandlung lautet die Devise: Je früher, desto besser.
Herzinsuffizienz ist häufig keine Einzelerkrankung, sondern oft das Endstadium anderer Herzkrankheiten wie der koronaren Herzkrankheit, Herzklappenerkrankungen oder Rhythmusstörungen. Unser zentrales Organ ist durch diese Vorerkrankungen so geschwächt, dass die Versorgung des Körpers mit sauerstoffreichem Blut nicht mehr vollständig funktioniert. Die Symptome entwickeln sich oft schleichend und werden gerade im Anfangsstadium häufig als normale Alterserscheinungen abgetan. Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann sie zu einem langsamen und lebensbedrohlichen Organversagen führen.
Symptome rechtzeitig erkennen
Typische Symptome einer Herzinsuffizienz entstehen durch die verminderte Pumpleistung des Herzens. Besonders die Lunge leidet unter der verminderten Herzleistung; es kommt zum Rückstau von Blut und Flüssigkeit, was Atemnot, Husten und rasselnde oder brodelnde Atemgeräusche verursachen kann. Gleichzeitig kommt es zu Wassereinlagerungen (Ödemen) in den Beinen, Knöcheln oder im Bauchraum, wodurch Schwellungen und teils schnelle Gewichtszunahmen, mitunter innerhalb weniger Tage, entstehen. Auch Wassereinlagerungen der inneren Organe wie Magen und Darm äußern sich mit Appetitlosigkeit und einem dauerhaften Völlegefühl, einer sogenannten Stauungsgastritis.
Prof. Dr. med. Katharina Marx-Schütt, Oberärztin der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin (Med. Klinik I) an der Uniklinik RWTH Aachen, weiß: „Luftnot bei Belastung und Wassereinlagerung in den Beinensind Warnzeichen für eine fortschreitende Herzschwäche und sollten dringend möglichst frühzeitig abgeklärt werden.“
Verschiedene Formen

Medizinisch unterscheidet man zwischen einer systolischen und einer diastolischen Herzschwäche. Bei Ersterer ist die Pumpkraft eingeschränkt, wodurch sich das Organ zwar mit Blut füllt, es aber nicht ausreichend in die Organe ausgestoßen werden kann. Bei der diastolischen Insuffizienz ist konkret die Füllungsphase des Herzens gestört. „Der Herzmuskel ist bei dieser Form der Schwäche verdickt. Dadurch versteift sich der Muskel und das Blut kann nicht mehr vollständig aufgenommen werden“, so Prof. Marx-Schütt über diese Form der Herzinsuffizienz, die rund 5 Prozent der über 70-Jährigen betrifft.
Diagnose
Die Diagnose einer Herzinsuffizienz erfolgt in mehreren Schritten und beginnt meist mit einem Ruhe-EKG, das Hinweise auf Rhythmusstörungen oder frühere Herzinfarkte geben kann und bei der Bestimmung der natriuretischen Peptide im Blut hilft. Im Anschluss folgt eine Echokardiographie, mit der die Struktur und Funktion des Organs sichtbar gemacht wird. Dabei wird unter anderem der Anteil des Blutes, den das Herz pro Schlag ausstößt, gemessen. Liegt dieser Wert unter 50 Prozent, spricht man von einer eingeschränkten Pumpfunktion. Zur weiteren Abklärung kann die Durchblutung der Kranzgefäße über einen Herzkatheter beurteilt werden. Im Rahmen dessen, können in Einzelfällen auch Gewebeproben entnommen werden, in denen man zum Beispiel nach Entzündungen oder Proteineinlagerungen suchen kann.
Therapiemöglichkeiten
Grundlage der Therapie ist die Behandlung der zugrunde liegenden Ursache. Die medikamentöse Therapie der Herzschwäche soll das Herz entlasten und die Beschwerden lindern. Bei einer eingeschränkten Herzfunktion besteht sie aus den vier Medikamentengruppen ACE-Hemmern oder ARNI, Betablockern, SGLT-2 Inhibitoren und Aldosteronantagonisten. Bei einer zu fortgeschrittenen Insuffizienz erholt sich das Herz nicht mehr. In schweren Fällen bleibt nur eine Herztransplantation oder die Überbrückung der Wartezeit mit einem VAD-System. Das Herzteam der Uniklinik RWTH Aachen berät Betroffene medizinisch sowie psychosozial im überregionalen Herzinsuffizienz-Zentrum und der VAD-Ambulanz. Dabei arbeiten Expertinnen und Experten der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin (Med. Klinik I) eng mit der Klinik für Herzchirurgie zusammen. Je früher die Symptome richtig erkannt werden, desto besser kann eine medikamentöse oder chirurgische Therapie ohne Transplantation ansprechen und die Lebensqualität mit der chronischen Krankheit verbessern.
Generell empfiehlt Prof. Marx-Schütt: „Wer frühzeitig aktiv wird und Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht kontrolliert, kann einer Herzschwäche vorbeugen oder mit der Erkrankung besser leben. Moderate Ausdaueraktivitäten wie Spazierengehen, Radfahren oder leichtes Training in Herzsportgruppen sowie gesunde Ernährung sind wichtige Bausteine”.
Ursachen einer Herzinsuffizienz
Die Ursachen für eine Herzschwäche sind vielfältig.
- Koronare Herzerkrankung
- Herzinfarkt
- Herzklappenerkrankung
- Langjähriger Alkoholkonsum
- Herzmuskelerkrankungen
- Langjähriges Vorhofflimmern
- Herzrhythmusstörungen
- Bestimmte Medikamente
- Bluthochdruck
- Drogenmissbrauch
- Diabetes mellitus
- Angeborener Herzfehler
- Genetische Ursachen









