Endometriumkarzinom: wenn sich die Gebärmutterschleimhaut bösartig verändert

Das Endometriumkarzinom entwickelt sich in der Schleimhaut der Gebärmutter und macht etwa 90 Prozent aller Krebserkrankungen des Gebärmutterkörpers aus. Jedes Jahr erkranken in Deutschland etwa 11.000 Frauen neu an Gebärmutterschleimhautkrebs. Er ist der häufigste Tumor der weiblichen Geschlechtsorgane. Im Gespräch mit apropos erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Elmar Stickeler, Direktor der Klinik für Gynäkologie und Geburtsmedizin an der Uniklinik RWTH Aachen, worauf es bei der Früherkennung und Behandlung von Gebärmutterkrebs ankommt.

Spricht man von Gebärmutterkrebs, ist oftmals nicht ganz klar, was damit gemeint ist. Denn in der Gebärmutter können verschiedene Krebsarten auftreten. Häufig wird fälschlicherweise der Gebärmutterkörperkrebs mit dem Gebärmutterhalskrebs verwechselt. „Während sich letzterer in dem schmalen Kanal zwischen Gebärmutterkörper und Scheide, dem sogenannten Zervix, bildet, entsteht der Gebärmutterkörperkrebs im Inneren der Gebärmutter – konkret in der Gebärmutterschleimhaut, dem sogenannten Endometrium“, erklärt Prof. Stickeler.

Anatomie der Gebärmutter
Endometriumkarzinom

Wie entsteht Gebärmutterkrebs?

Auch wenn das Endometriumkarzinom unter vielen Namen wie Korpuskarzinom, Uteruskarzinom oder Gebärmutterkörperkrebs bekannt ist, wird es umgangssprachlich meist als Gebärmutterkrebs bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine bösartige Erkrankung, die ihren Ursprung in der Gebärmutterschleimhaut hat, die die Gebärmutter, den Uterus, von innen auskleidet. Beginnen Schleimhautzellen sich unkontrolliert zu vermehren, entsteht ein Tumor, der das umliegende Gewebe zerstört und in die darunterliegende Muskelschicht und/oder in die Gebärmutterhöhle einwachsen kann. „Im fortgeschrittenen Stadium breitet sich der Krebs in die Eileiter oder in den Gebärmutterhals aus und kann zudem umliegende Organe wie die Blase oder den Darm erreichen“, so der Mediziner. Bilden sich Metastasen, so können die Krebszellen über das Lymphsystem oder die Blutbahnen in andere Organe wie Lunge, Leber oder Knochen gelangen und dort weiter wachsen.

Was sind die Ursachen und mögliche Risikofaktoren?

Wie bei fast jeder Krebserkrankung basiert der Gebärmutterschleimhautkrebs auf Veränderungen im Erbgut der Zellen. „Die meisten dieser Genveränderungen entstehen im Laufe des Lebens zufällig. Manche können jedoch auch vererbt werden“, weiß Prof. Stickeler.

Ein wesentlicher Risikofaktor für den Gebärmutterschleimhautkrebs ist ein Ungleichgewicht der weiblichen Hormone, insbesondere ein Überschuss an Östrogen. „Besonders wenn Östrogen längerfristig auf den Körper einwirkt, steigt das Risiko für ein Endometriumkarzinom“, so Prof. Stickeler. Dies kann durch verschiedene Bedingungen und Lebensphasen einer Frau beeinflusst werden, wie frühe erste Periode, eine spät eintretende Menopause oder lange Zyklen ohne Eisprünge haben.

Darüber hinaus gibt es gewisse Faktoren und Lebensumstände, die das Erkrankungsrisiko erhöhen. Dazu zählen neben einem fortgeschrittenen Lebensalter sowie Kinderlosigkeit auch Stoffwechselstörungen wie Diabetes, Bewegungsmangel und Übergewicht. Auch vorangegangene Strahlen- oder Hormontherapien können eine Krebserkrankung der Gebärmutter begünstigen.

Warnzeichen nicht ignorieren

„Da es, anders als bei Gebärmutterhalskrebs, keine gezielte Früherkennung von Endometriumkarzinomen gibt, ist es umso wichtiger, erste Anzeichen zu erkennen“, betont der Mediziner. Sowohl jüngere wie auch ältere Frauen sollten sich bei ungewöhnlichen (Schmier-)Blutungen – außerhalb der Periode oder nach den Wechseljahren – einem blutig-eitrigen Ausfluss sowie Schmerzen im Unterbauch und einer unerklärlichen Gewichtsabnahme ärztlichen Rat einholen. „Einige dieser Symptome können auch harmlose Ursachen haben. Dennoch kann die Früherkennung überlebenswichtig sein“, macht Prof. Stickeler deutlich.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Besteht der Verdacht, erfolgt die Diagnose in mehreren Schritten. „Nach einer ausführlichen Anamnese führen wir eine gynäkologische Untersuchung sowie ein Ultraschall über die Vagina durch“, so der Gynäkologe. Ist die Gebärmutterschleimhaut ungewöhnlich dick, kann eine Gebärmutterspiegelung inklusive Ausschabung der Gebärmutterschleimhaut Aufschluss geben. Das entnommene Gewebe wird anschließend in der Pathologie untersucht. Bestätigt sich die Krebsdiagnose, sind weitere Untersuchungen wie beispielsweise eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) hilfreich. „Diese Verfahren liefern wichtige Informationen darüber, wie weit sich der Tumor örtlich ausgebreitet hat und ob sich bereits Metastasen gebildet haben“, erklärt der Klinikdirektor.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

„Für die Behandlung sollten sich Patientinnen mit Gebärmutterkrebs bestenfalls an ein zertifiziertes gynäkologisches Krebszentrum wie das an der Uniklinik RWTH Aachen wenden,“ rät Prof. Stickeler. Die Art der Therapie hängt immer vom Risiko des individuellen Tumors ab. Die erste Maßnahme ist in der Regel eine Operation, die eine endgültige Gewissheit darüber gibt, wie weit fortgeschritten der Krebs ist. Während des operativen Eingriffs entfernen die Gynäkologinnen oder Gynäkologen normalerweise zunächst die Gebärmutter in einem minimal-invasiven Eingriff per Bauchspiegelung. Meist werden vorsichtshalber auch die Eileiter sowie die Eierstöcke herausgenommen, was eine Unfruchtbarkeit zur Folge hat. „Besonders bei jüngeren Patientinnen ist es daher wichtig, vorab zu klären, ob es in dieser Situation eine Möglichkeit gibt, einen bestehenden Kinderwunsch noch zu erfüllen“, sagt Prof. Stickeler.

Befindet sich der Krebs in einem frühen Stadium, benötigen die meisten Frauen keine weitere Therapie. Bei bestehendem Kinderwunsch kann in besonderen Fällen die Gebärmutter belassen werden. Allerdings erfordert dies eine sehr enge und regelmäßige medizinische Überwachung, um sicherzustellen, dass die Gesundheit der Frau nicht gefährdet wird und um auf Veränderungen schnell reagieren zu können „Hat sich der Krebs jedoch schon weiter ausgebreitet, empfehlen wir eine zusätzliche Strahlen- oder Chemotherapie, um die Gefahr für einen Rückfall zu verringern“, so der Mediziner.

Wie sind die Heilungschancen?

Beim Gebärmutterkörperkrebs gibt es zwar unterschiedliche Tücken, aber auch viele neue, genetische Untersuchungsmöglichkeiten und zielgerichtete Therapien, die die Behandlung und Lebensqualität verbessern. Grundsätzlich ist die Prognose gut. „Die Heilungschancen sind vor allem dann hoch, wenn die Diagnose im frühen Stadium gestellt werden kann – und das ist bei mehr als zwei Drittel aller Endometriumkarzinome der Fall“, ermutigt Prof. Stickeler.

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