Angina Pectoris: Folge einer langsamen Verengung der Herzkranzgefäße

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Ein Ziehen, ein Druck, ein Engegefühl hinter dem Brustbein: Viele Betroffene halten diese Symptome zunächst für Stress oder Verspannungen. Doch bei rund fünf Millionen Menschen in Deutschland steckt eine koronare Herzerkrankung dahinter. Verengte Herzkranzgefäße stören die Durchblutung des Herzmuskels, woraufhin das Organ
unter Dauerbelastung gerät. Wenn sich ein Gefäß verschließt, kann es zu einem Herzinfarkt kommen, der lebensbedrohlich ist.

Anders als beim Herzinfarkt, beginnt eine koronare Herzerkrankung nicht mit einem lauten Warnsignal, sondern als stiller Prozess im Inneren des Körpers. Über Jahre hinweg lagern sich in den netzartig verlaufenden Blutgefäßen, die den Herzmuskel umgeben, sogenannte Plaques ab. Diese Ablagerungen bestehen aus Cholesterin, Fetten, Entzündungszellen und Bindegewebe. Sie setzen sich an den Innenwänden der Blutbahnen fest und verengen sie zunehmend.

Symptome und Krankheitsverlauf

Die Verengung erfolgt schleichend und bleibt häufig erst unbemerkt. Viele Betroffene sind zunächst schmerzfrei, da das Herz die eingeschränkte Versorgung eine Zeit lang kompensieren kann. Doch mit der Zeit reicht die Sauerstoffversorgung des Herzens nicht aus und die Belastung wird spürbar. Das zentrale Symptom der Erkrankung tritt auf: Angina pectoris – ein brennender, drückender oder dumpfer Schmerz im Brustkorb, begleitet von einem Engegefühl. Anfangs zeigt sich dieser Schmerz nur bei körperlicher Anstrengung, etwa beim Treppensteigen oder schnellen Gehen. Im fortgeschrittenen Stadium treten die Beschwerden auch im Ruhezustand auf.

Die Schmerzen können ebenfalls in andere Körperregionen ausstrahlen. So sind Schmerzen in den Armen, im Rücken, Hals oder Kiefer nicht seltene Begleiterscheinungen. Atemnot und starkes Schwitzen kommen als charakteristische Symptome hinzu.

„Viele Betroffene berichten, dass die Symptome in Ruhe zunächst wieder abklingen. Dies ist jedoch ein trügerisches Zeichen, da die Krankheit weiter voranschreitet und dringend behandelt werden sollte“, erklärt Univ.-Prof. Dr. med. Nikolaus Marx, Direktor der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin (Med. Klinik I) an der Uniklinik RWTH Aachen.

Behandlungsmöglichkeiten

Bei einer Angina pectoris unterscheiden die Kardiologinnen und Kardiologen zwischen einem stabilen und einem instabilen Krankheitsverlauf. Die stabile Form zeigt sich meist unter wiederkehrenden Bedingungen: Körperliche Anstrengung, emotionale Belastung, Kälte oder üppige Mahlzeiten können die Beschwerden auslösen. Typisch ist, dass die Schmerzen im Ruhezustand wieder abklingen. Anders verhält es sich bei der instabilen Angina pectoris. Hier treten die Symptome zunehmend häufiger und intensiver ohne erkennbare Auslöser auf.

„In jedem Fall ist es wichtig, herauszufinden, ob Veränderungen an den Herzkranzgefäßen oder eine Durchblutungsstörung vorliegt, um dann zu entscheiden, wie am Besten behandelt wird. Bei einer stabilen Situation ohne massive Veränderungen der Gefäße und wenn keine ausgedehnte Durchblutungsstörung des Herzens vorliegt, kann eine medikamentöse Therapie ausreichend sein“, so Prof. Marx.

Ein Teil der Patienten benötigt jedoch eine Eröffnung oder Erweiterung der verengten Herzkranzgefäße. Das Team der Med. Klinik I kann je nach Befund verschiedene Maßnahmen ergreifen.

Minimaler Schnitt

Eine sogenannte Revaskularisierung befreit die Blutbahnen von Ablagerungen. Sind die Gefäße bereits stark geschädigt, kommen Stents zur Stabilisierung der Innenwände zum Einsatz. In schwereren Fällen ist ein Bypass notwendig, eine Art Umgehungsstraße für das Blut.

Risikofaktoren für eine koronare Herzerkrankung

  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Rauchen
  • Bewegungsmangel
  • Hoher Cholesterinspiegel
  • Übergewicht

Fallzahlen in Deutschland

Insgesamt etwa 5 Millionen Fälle
1,8 Millionen Frauen
2,8 Millionen Männer

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