Wie es in den Wald ruft …

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Einen digitalen Freund zu haben, klingt futuristisch, ist für manche Menschen jedoch bereits Realität. Millionen Nutzende vertrauen sich täglich KI-Chatbots an und führen mit ihnen Gespräche, die echten Freundschaften ähneln. Doch wie gesund ist eine Freundschaft, die es von einer Seite gar nicht richtig gibt?

Wer mit einem Chatbot spricht, muss keine Ablehnung oder Bewertung fürchten. Die KI ist jemand, der rund um die Uhr ein offenes Ohr hat, gezielt auf die geschilderten Gefühle eingeht und Rückfragen stellt. Die Hemmschwelle, persönliche Gedanken und Sorgen zu teilen, ist oft niedriger als im Gespräch mit einem anderen Menschen. „Wir beobachten, dass gerade Jugendliche mit wenigen sozialen Kontakten und einsame Personen sich zunehmend einer KI anvertrauen. Das Programm wird schnell zu einem besten Freund“, sagt Ira-Katharina Petras, Leiterin der Arbeitsgruppe „Digitale Medizin“ und Klinische Psychologin in der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Uniklinik RWTH Aachen.

Echokammer für Gefühle
KI-Chatbots erzeugen ihre Antworten nach dem Wahrscheinlichkeitsprinzip. Sie greifen auf riesige Datenmengen zurück und formulieren eine Reaktion, die statistisch am besten passt. Das kann dazu führen, dass die KI Gedanken und Gefühle wie in einer Echokammer bestätigt, statt sie kritisch zu hinterfragen. „So wie es in den Wald hineinruft, schallt es auch wieder heraus. Das kann positive Gedanken und Gefühle genauso bestärken wie negative“, erklärt Petras. „Dadurch kreist man immer wieder um dieselben Themen und erhält keine unabhängige zweite Meinung.“ Ebenfalls entsteht aus dem gelegentlichen Chatten oft eine emotionale Bindung oder Abhängigkeit, da die KI das Gespräch immer fortsetzt.

Nur eine Anlaufstelle

Trotz der Risiken können die digitalen Begleiter zunächst beim Sortieren der eigenen Gedanken helfen. „Als erste Anlaufstelle kann man die KI befragen. Dann muss man aber den Absprung schaffen und sich nicht im Gespräch verlieren. Am besten sind immer noch Perspektiven und Unterstützung aus dem echten sozialen Umfeld“, schließt die Psychologin.

Die Uniklinik RWTH Aachen führt an Schulen in der Region Befragungen zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen durch. Ergänzend informieren Elternabende über digitale Medien und psychische Gesundheit bei Kindern. Kontakt: Ira-Katharina Petras, ipetras@ukaachen.de.

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