Liebes Cortisol, bevor wir das Interview beginnen, stellen Sie sich doch bitte einmal unseren Leserinnen und Lesern vor.
Natürlich! Mein Name ist Cortisol und ich bin ein Hormon aus der Gruppe der Steroidhormone. Ich werde in der Nebennierenrinde produziert und beeinflusse unter anderem den Blutzucker, den Blutdruck, das Immunsystem und den Schlafrhythmus. Viele kennen mich sicher als „das Stresshormon“, da ich vermehrt in akuten Stresssituationen ausgeschüttet werde. Trotzdem bin ich, entgegen meinem Ruf, kein grundsätzlich negativer Faktor, sondern sogar lebenswichtig!
Interessant, was macht Sie denn so wichtig?
Wenn der Körper in Alarmbereitschaft gerät, bin ich beispielsweise dafür zuständig, auf schnellem Wege Energie bereitzustellen. So ist man fit und belastbar, wenn es darauf ankommt. In diesem Zuge erhöhe ich auch temporär den Blutdruck, den Herzschlag und die Atemfrequenz. Ist die stressige Situation vorüber, ziehe ich mich wieder zurück. Außerdem habe ich eine positive Wirkung auf das Immunsystem und hemme Entzündungsprozesse.
Wie Sie sicher mitbekommen haben, sind Sie aktuell wieder in aller Munde. Besonders in den sozialen Medien wird viel über Möglichkeiten gesprochen, den eigenen Cortisolspiegel zu reduzieren. Was halten Sie davon?
Ein bisschen beleidigt bin ich schon, im Normalfall ist das nämlich gar nicht nötig. Über einen Regelkreis hält der Körper meine Konzentration auf natürliche Weise im Gleichgewicht.
Bei Menschen mit chronischem Stress kann es allerdings vorkommen, dass mein Spiegel dauerhaft erhöht ist oder mein Tag-Nacht-Rhythmus aus der Balance gerät. Das hat dann teilweise negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden, beispielsweise durch Schlafstörungen, Niedergeschlagenheit oder Konzentrationsprobleme. Auch verschiedene seltene Erkrankungen können bewirken, dass ich entweder zu viel oder zu wenig im Körper vorkomme. In diesen Fällen kann ich natürlich verstehen, wenn betroffene Personen meinen Pegel regulieren möchten.
Zu guter Letzt: Wie lassen Sie sich am besten regulieren?
Mich und meine Konzentration gezielt zu beeinflussen, ist tatsächlich nur begrenzt möglich. Den eigenen Dauerstress zu reduzieren, ist hingegen immer hilfreich! Meine liebsten Tipps hierfür sind: eine ausgewogene Ernährung, feste Einschlafrituale, mehr körperliche Aktivität und gleichzeitig weniger Alkohol, Koffein und Süßes. Das Nonplusultra sind verschiedene Entspannungstechniken, die selbstständig erlernt und angewendet werden können.
Vielen Dank!








