Mit gezielter Ernährung den Blutdruck senken

Heartbeat line on red apple and sphygmomanometer, healthy heart
© udra11 – stock.adobe.com

Bluthochdruck (Hypertonie) stellt eine erhebliche Gefahr für Herz und Kreislauf dar. Die Risikofaktoren und Ursachen sind eng mit dem Lebensstil verbunden. Insbesondere eine gesunde Ernährung kann bei Bluthochdruck viel bewegen. Worauf es dabei ankommt und mit welchen Maßnahmen sich der Blutdruck auf natürliche Weise senken lässt, erklärt Ernährungsexpertin Birgit Tollkühn-Prott, Leitende Diätassistentin des Ernährungs- und Diabetesteams/Pflegedirektion (PEDT) an der Uniklinik RWTH Aachen.

Allein in Deutschland leiden bis zu 30 Millionen Menschen an Bluthochdruck. Das Tückische: Die Erkrankung bleibt oftmals lange unerkannt, ist jedoch ein gefährlicher Risikofaktor für Nieren-Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Probleme und erhöht vor allem die Gefahr für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Heilen lässt sich die Krankheit nicht, doch sie lässt sich gut führen und in den Griff bekommen.

Einfluss der Ernährung wird unterschätzt

Ein hoher Blutdruck kann genetische und andere Ursachen haben, wird allerdings durch lebensstilbedingte Einflussfaktoren wie Bewegungsmangel, Stress und vor allem Fehlernährung, in der Folge auch Übergewicht, begünstigt. „Wie bei vielen Krankheitsbildern ist ein gesunder Lifestyle bei Bluthochdruck enorm wichtig – das gilt sowohl zur Vorsorge als auch für die Therapie“, so Tollkühn-Prott. Nicht selten ist bei Hypertonie eine Behandlung mit nebenwirkungsreichen Medikamenten erforderlich. „Diese könnten häufig durch eine Umstellung der Lebensweise und mit einer gezielten Ernährung verringert oder gar vermieden werden“, weiß die Ernährungsexpertin. Es gibt bestimmte Lebensmittel, die nachweislich eine blutdrucksenkende Wirkung haben. Andere wiederum können den Blutwert in die Höhe treiben.

Normalgewicht anstreben

Wichtig ist, dass sich eine nachhaltige Ernährungstherapie bei Bluthochdruck nach den individuellen Gegebenheiten der Betroffenen richtet. Liegen zusätzlich Erkrankungen wie beispielsweise Diabetes mellitus oder eine Fettstoffwechselstörung vor, müssen Besonderheiten beachtet werden, die es mit dem behandelnden Arzt abzuklären gilt. „Das Ziel ist nicht allein Lebensmittel zu bevorzugen, die den Blutdruck senken oder nicht belasten, sondern auch ein Normalgewicht zu erreichen beziehungsweise zu halten. Dem kann eine richtige Ernährungsweise gerecht werden“, so Tollkühn-Prott. Besonders Bauchfett erhöht das Risiko einer Hypertonie. Denn im Bauchfett entstehen Hunderte von Hormonen und entzündungsfördernde Botenstoffe, die den Blutdruck beeinflussen. Mit jedem Kilo Übergewicht weniger auf der Waage lässt sich der Blutdruck bereits um etwa 2 mmHG senken.

Mediterrane Küche

Die Ernährung sollte sich auf eine vielseitige und pflanzlich betonte Kost stützen. Obst und Gemüse sollten dabei einen möglichst großen Anteil bei der täglichen Nahrungsaufnahme ausmachen. „Als Basis für eine ausgewogene und bedarfsgerechte Ernährung bei Bluthochdruck hat sich die sogenannte mediterrane Küche bewährt. Damit sind natürlich nicht Pizza und Pasta gemeint. Diese Ernährungsform, auch Mittelmeer-Diät genannt, stützt sich auf Gemüse, Obst und moderaten Fischkonsum“, so die Expertin. „Hier eignen sich Fischsorten wie Lachs, Makrele, Sardinen und Thunfisch besonders gut, da sie reich an Omega-3-Fettsäuren sind.  Auf rotes Fleisch sollte  weitestgehend verzichtet beziehungsweise auf zwei Portionen pro Woche reduziert werden.“ Empfehlenswert sind zudem hochwertige Öle mit mehrfach ungesättigten Fettsäuren wie Raps- oder Olivenöl. Vollkornprodukte ergänzen die Ballaststoffzufuhr und fettreduzierte Milch und Milchprodukte können im Speiseplan ebenfalls einen positiven Effekt auf den Blutdruck haben. Als natürliche Blutdrucksenker gelten unter anderem auch die sekundären Pflanzenstoffe und das Kalium. Diese kommen in Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Pflanzenanteilen reichlich vor: Rote Beete, Erbsen, Grünkohl, Spinat, Knoblauch, Meerrettich, Spargel, weiße Bohnen, Aprikosen, Bananen, Erdbeeren sowie Walnüsse, Pistazien.

Kräuter statt Salz

Grundsätzlich konsumieren Menschen in den westlichen Industrienationen häufig zu viel Speisesalz. Ein zu hoher Konsum führt zu einem gesteigerten Blutdruck und wirkt sich schlecht auf den Blutzuckerspiegel aus. Hierbei geht es zum einen um das Zu- oder Nachsalzen, jedoch das meiste Salz wird über verarbeitete Lebensmittel wie Backwaren, Fleisch, Wurst und Fertiggerichte, Knabbergebäck sowie Soßen aufgenommen. Die Ernährungsexpertin empfiehlt, die Speisesalzaufnahme auf unter fünf Gramm pro Tag einzuschränken: „Das gelingt am besten durch frisches Kochen. Die Reduktion kann in kleinen Schritten passieren. Anstelle von Salz sollte man lieber frische Kräuter und schmackhafte Gewürze wie zum Beispiel Bärlauch, Knoblauch, Pfeffer, Kümmel, Majoran, Chili, Curry und Ingwer verwenden. Vorsicht bei Gewürzmischungen, hier lohnt es sich die Zutatenliste anzuschauen! Der Geschmackssinn gewöhnt sich schnell an die Veränderung.“

Kalorienfreie Getränke

Nicht nur Lebensmittel haben einen Einfluss auf den Blutdruck. Auch die Flüssigkeitsmenge spielt eine große Rolle. Einigen Betroffenen ist gar nicht bewusst, dass sie durch zu wenig trinken Bluthochdruck begünstigen. „Die regelmäßige Zufuhr von Flüssigkeit hat einen enormen Einfluss auf Zellen und Blutkörperchen. Daher sollte man mindestens 1,5 Liter am Tag trinken – mehr ist immer gut, gerade, wenn auch eine Gewichtsreduktion angestrebt wird “, rät die Diätassistentin. Die Getränke sollten kalorienarm sein. Geeignet sind hier vor allem (Mineral-)Wasser und ungesüßte (Kräuter-)Tees. „Bei Mineralwasser sollten Patientinnen und Patienten auf den Natriumgehalt (Na) achten. Dieser sollte bestenfalls unter 20 Milligramm pro Liter liegen.“

Hilfe bei Ernährungsumstellung

Mit einer ausgewogenen Ernährung lässt sich Bluthochdruck bis zu einem gewissen Maße regulieren und verhindern. Zusammen mit ausreichend Bewegung, trägt eine gesunde Ernährungsweise zu normnahen Blutdruckwerten bei. In der Uniklinik RWTH Aachen erhalten Hypertonie-Patientinnen und -Patienten Unterstützung von erfahrenen Ernährungsfachkräften, die dabei helfen, die Ernährung und Gewohnheiten nachhaltig und langfristig umzustellen. Da die Umstellung und Anpassung der Nahrungsaufnahme eine der wirksamsten Therapieoptionen bei Bluthochdruck und starkem Übergewicht darstellt, übernehmen Gesundheitskassen- nach § 43 SGB V – anteilmäßig die Kosten für die Ernährungsberatung.  Wichtig: Die erforderliche Notwendigkeitsbescheinigung erhalten Sie vom ärztlichen Klinikpersonal und kann direkt bei der Entlassung ausgestellt werden. In der ambulanten Versorgung wird dies auch von Ihrer Hausarztpraxis ausgefüllt

Checkliste: Ernährungstipps gegen Bluthochdruck

  • Saisonale, regionale und frische Lebensmittel anstatt Fertigprodukte verzehren

  • Vollkorn gegenüber Feinmehlprodukten bevorzugen

  • Vorrangig auf pflanzliche Lebensmittel zurückgreifen (sie liefern wertvolle Vitamine, Mineralstoffe (Kalium) und Ballaststoffe (positiver Einfluss auf Sättigung und Verdauung))
  • Wenig Schweine- und Rindfleisch (rotes Fleisch) essen

  • Fisch bevorzugen (mindestens 1x /Woche, möglichst Fettfische, da sie Omega-3-Fettsäuren enthalten)

  • Hauptfettquellen: Oliven-, Raps-, Hanf-, Lein- und Walnussöl

  • Maßvoller Verzehr von Eier und Geflügelprodukten

  • (fettarme) Milch und Milchprodukte (gute Eiweiß- und Calciumlieferanten)

  • Nüsse wie Hasel- und Walnüsse sowie Mandeln, Cashew-, Kürbis-, Sonnenblumen- und Kürbiskerne und Pistazien sind empfehlenswert. Nicht förderlich sind Erdnüsse und gesalzene Nüsse.

  • Wenden Sie Garmethoden wie Braten oder Grillen an.

  • Gefahrenfaktor Salz: Gewürze und Kräuter statt Salz; Marinaden und Flüssigwürze sparsam verwenden

  • Kalorienarme Getränke wie Mineralwasser und ungesüßte Tees; Kaffee und schwarzer Tee in Maßen

  • Zurückhaltung bei Alkohol und Süßigkeiten

  • Auf Rauchen verzichten (bereits eine Woche nach dem Rauchstopp sinkt der Blutdruck)

  • Übergewicht vermeiden bzw. reduzieren (jedes Kilo zählt)
Abo Abo
Newsletter Newsletter
stiftung Stiftung
AC Forscht Aachen forscht

Archiv