Im Gespräch mit … einem Telomer

© KI-generiert

Liebes Telomer, wir haben Sie 

heute eingeladen, um mit Ihnen über „Longevity“, also Langlebigkeit, und Ihre persönliche Rolle im Alterungsprozess zu sprechen. Aber zuerst: Stellen Sie sich doch bitte einmal vor.
Sehr gerne! Ich bin ein Strukturelement der menschlichen DNA und befinde mich an den Enden von Chromosomen. Dort funktioniere ich als eine Art Schutzkappe und schütze das Erbgut bei der Zellteilung vor schädlichen Einflüssen. 

Dann leisten Sie ja einen ganz schön wichtigen Beitrag, Hut ab! Ich verstehe allerdings noch nicht, was Sie mit Langlebigkeit zu tun haben. Können Sie das bitte näher erläutern?
Natürlich. Es ist nämlich so, dass ich im Laufe des Lebens immer kürzer werde. Diese Verkürzung ist Ausdruck der Zellteilung und zellulären Alterung. Wie schnell Zellen altern, hängt auch vom Lifestyle eines Menschen hab. Forschende haben jüngst herausgefunden: Je kürzer ich bin, desto eher hat mein Träger mit altersbedingten Beschwerden oder Krankheiten wie Alzheimer oder Krebs zu kämpfen und dementsprechend statistisch auch eine geringere Lebenserwartung. 

Aber sagten Sie nicht soeben, dass Sie im Laufe des Lebens kontinuierlich kürzer werden? Was hat das mit dem Lebensstil zu tun?
Grundsätzlich stimmt das. Allerdings bewirken Stress, Umweltbelastungen sowie eine allgemein ungesunde Lebensweise, dass ich schneller schrumpfe. Im Umkehrschluss bedeutet das: Durch gesunde Ernährung, Sport und Selbstfürsorge können Menschen im wahrsten Sinne des Wortes ihr Leben verlängern.

Interessant! Ihre Länge spiegelt also, gemeinsam mit anderen zellulären Parametern, den allgemeinen Gesundheitszustand – quasi das biologische Alter – eines Menschen wider. Eine letzte Frage stellt sich noch: Ist es theoretisch möglich, Sie durch medizinische Behandlung künstlich zu verlängern? Und wenn ja, verbirgt sich darin vielleicht der Schlüssel zum ewigen Leben?
Tatsächlich wird bereits in diese Richtung geforscht. Die Forscherin Elizabeth Blackburn hat im Jahr 2009 den Medizin-Nobelpreis für die Entdeckung der sogenannten Telomerase verliehen bekommen. Die Telomerase ist ein körpereigenes Enzym, das eine Telomerverlängerung in bestimmten Zellen, zum Beispiel Stammzellen, bewirkt. Diese Erkenntnisse könnten in Zukunft beim Thema Longevity eine Rolle spielen. Allerdings ist hier auch Vorsicht geboten: In den Zellen gibt es noch viele andere Alterungsprozesse und eine hyperaktive Telomerase steht mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung. Apropos: An der Uniklinik RWTH Aachen gibt es sogar einen interdisziplinären Forschungsschwerpunkt zu seltenen Erkrankungen, die mit einer beschleunigten Telomerverkürzung einhergehen, den sogenannten Telomeropathien (www.ukaachen.de/telomererkrankungen).

Es bleibt also spannend in der Wissenschaft. Vielen Dank für das Gespräch, liebes Telomer!

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